Mit Wandern zurĂŒck im Leben

Unglaubliche Geschichten hören wir oft von anderen Menschen, aber diese ist meine und zeigt, wie Wandern bei Herzproblemen helfen kann. Noch heute klingen mir SĂ€tze in den Ohren wie „ es wird wohl ein Herzschrittmacher notwendig sein“, „plötzlicher Herztod“, „das Herz hĂ€ngt wie ein schlaffer Sack“ oder „ Herzzwischenwand und andere Bereiche arbeiten nicht mehr“. Aber ich bin doch erst 37… und immer wieder fiel mir die Geschichte von Hartwig Gauder, dem LĂ€ufer mit 3 Herzen ein.

 

 Wie kam es dazu

Vor knapp einem Jahr gingen die Beschwerden los. Ich bekam Konditionsprobleme und war recht schnell außer Atem. Mein Hausarzt meinte, es ist Pollenzeit und könnte daher kommen. Besser wurde es nicht, aber man gewöhnt sich etwas dran. Dazu war ich immer schnell down, lustlos und es fiel mir schwer mich zu irgendwelchen AktivitĂ€ten aufzuraffen. Dann kam ein Blubbern in der Lunge hinzu, sobald ich mich ins Bett legte. Das war so laut, dass es sogar meine Frau hörte. Mein Hausarzt: Das sind die Bronchien..

Der Eklat war dann bei den 24 Stunden von Bayern. Wir hatten bereits ab Mittwoch Bilder von Inzell um Umgebung gemacht. Die viele AktivitÀt rÀchte sich am Samstag zum Start. Das viele hin und her ist auch stressig und spÀtestens auf dem Weg hoch zu der Ponystation zum Thema Salztransport, ging gar nichts mehr.

Es war wirklich nur der Weg von der Strasse zur Station. Etwas steil und nicht lang. Dennoch brauchte ich 2 Pausen, trank meinen halben Camelbak leer und schwitze wie in einer Saune. Ober angekommen war ich kaum noch in der Lage zu laufen. Es hat ĂŒber 30 Minuten gedauert, bis ich wieder in der Lage war, zurĂŒck zum Auto zu laufen.

In diesen Tagen kam ich kaum noch unsere Treppe hoch. Meine Frau musste den Einkauf alleine tragen, es ging einfach nicht.

Nach dem Event dann Hausarzt und endlich, nach 3 Monaten Fehlbehandlung auf Bronchitis und Pollen, hÀngte er mich an ein EKG.

Ich durfte nicht mehr aufstehen, sofort wurde Notarzt alamiert und ich ab in Krankenhaus. Nach ĂŒber 2 Monaten Falschbehandlung, ging plötzlich alles ganz schnell.

Ein Herzspezialist untersuchte mich und ein wirklich depremierendes GesprÀch folgte. Ich durfte das Krankenhaus zwar verlassen, musste aber gleich am nÀchsten Morgen einchecken. Fragt lieber nicht, wie es meiner Frau ging.

Die Diagnose

Nach mehreren Untersuchungen kam die Diagnose. 17% Herzleistung ( normal 50 oder bei sportlich aktiven 55% ) und massiv Wasser in der Lunge. Daher kam auch der Konditionsverlust und das Blubbern.

Diese Diagnose passt eher zu einem 100jĂ€hrigen, als zu mir. Erst 37 und dann so etwas. Vor allem der Satz mit „plötzlicher Herztod bei AktivitĂ€ten“ rief sofort die Ereignisse bei den 24 Stunden in mein GedĂ€chtnis. Das hĂ€tte auch ganz anders ausgehen können, dachte ich bei mir.

Aber es kam noch schlimmer.

Teile meines Herzens arbeiteten gar nicht mehr. Massive Herzrhythmusstörungen waren die Folge. Man ĂŒberlegte ob ich einen speziellen Herzschrittmacher bekommen sollte.

Durch die 2 Monate Fehlbehandlung, war auch nicht mehr nachvollziehbar, warum das Herz so schwach war. Das machte die Behandlung noch einmal schwieriger.

In kleinen Schritten vorwÀrts

Die Ärzte entschieden sich gegen den Herzschrittmacher, dafĂŒr musste ich aber 3 Monate eine spezielle Weste tragen ( Tag & Nacht). Es war eine Mischung aus EKG und Defibrillator. Falls ich umkippte, sollte er mich per Stromschlag automatisch zurĂŒck holen.

Das gab mir aber gewisse Freiheiten und ich konnte SpaziergĂ€nge machen. Ich ĂŒbertrieb es nicht und schonte mich. Bei der nĂ€chsten Herzuntersuchung im September war ich dann bei 28% Herzleistung. Mittlerweile waren auch Treppen nicht mehr das Problem.

Hinzu kam eine enorm erhöhter Wert an roten Blutkörperchen. Im Prinzip ist das wie Doping. Diese können mehr Sauerstoff transportieren und das war die Reaktion des Körpers auf die geringe Herzleistung. Genial.

In den nÀchsten Monaten wurde es immer besser. Im November lag ich dann bei 40% und es ging mir schon gut.

Anfang des Jahres dann eine 6-7 Wochen anhaltende ErkÀltung, Grippe und Krabbelhusten. Die Herzspezialisten waren sich zu 95% sicher, dass ich eine Grippe verschleppt hatte und ich ein Virus auf dem Herz hatte, der das Herzversagen ausgelöst hat.

WĂŒrde sich das nun wiederholen? Ende Februar dann massive Schmerzen im Lungen- und Herzbereich. Wieder diese flache Atmung und Symptome die ich noch vom letzten Jahr kannte. Nach der langen ErkĂ€lten und Grippe hatte sich aber nur das Lungenfell entzĂŒndet. In der Zeit war Laufen kaum möglich, aber ab und zu tat es wirklich gut.

Das Wandertraining

Seit Anfang MĂ€rz kann ich wieder regelmĂ€ĂŸig lĂ€ngere Strecke wandern. Ich beschrĂ€nke mich zwar noch auf 5-12 Km, aber mir geht es dabei echt gut und tendenziell werde ich das steigern. Auch Höhenmeter gehen immer besser und

Wandern und auch Nordic Walking waren die letzten 6 Wochen mein Training, davor SpaziergĂ€nge oder mal 7 km zum einkaufen laufen. Ausdauerintensivere Sportarten oder Kraftsport wĂ€ren einfach nicht möglich gewesen. Das sanfte, aber regelmĂ€ĂŸige Wandern und Nordic Walking haben nun ein kleines Wunder geschafft.

Bewegung in angepasster Form ist wirklich das A und O gewesen. Es hat mir geholfen mich zu rehabilitieren und nun werde ich meine Rente wohl doch erreichen.

Das kleine Wunder

Gestern war ich beim Herzspezialisten, dem Professor Messmann im Juliusspital WĂŒrzburg. Ich werde seinen Blick wohl niemals vergessen, als er anerkennend sagte: Sie haben 60% Herzleistung. Das ist mehr als der Durchschnitt und entspricht einem leichten Ausdauersportler. Ein beachtlicher Wert nach der Ausgangssituation. Angepielt waren 40%…

Auch andere wichtige Werte haben sich in den letzten 2 Monaten deutlich verbessert. Es geht mir aktuell so gut wie schon lang nicht mehr. Ein paar Sachen habe ich noch vor mir, aber das wird schon 😉

Nun wird weiter gewandert.

Macht Nordic Walking

Auch wenn es oft belĂ€chelt wird, es gibt kaum eine Sportart, die ein so effektives Training ermöglicht. Es trainiert fast den gesamten Körper, ich gut fĂŒr die Ausdauer und kann auf Gesundheitsprobleme angepasst werden.

Danke:

An die Herzspezialisten im Juliusspital, meinem Hausarzt, Freunde die mich aufmunterten und meiner Frau.

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