Die Wahrheit um den Fotospot Hallstatt / Salzkammergut

Kennt ihr auch die idyllischen Bilder von Hallstatt im Salzkammergut? Schön am See gelegen, gibt es das kleine Dorf und man zeigt gerne die idyllische Stimmung am HallstĂ€tter See. Aber wehe man betritt den Ort… was dann passiert, lest ihr im Reiseblog

Florian hat zu einer Blogparade aufgerufen und da zu einem Thema, wo ich schlecht nein sagen konnte. https://phototravellers.de/schonste-fotospots-welt/ – Ich hatte Hallstatt schon fast vergessen, weil die Nachbetreuung der Pressereise grottenschlecht war und mir der Ort auch nicht mehr zusagt. Aber die Blogparade unter dem Motto: Die schönsten Fotospots der Welt – und die Wahrheit dahinter passt perfekt dazu.

Hallstatt – eher klein Shanghai

Wir waren auf einer Pressereise zum Salzalpensteig und dabei auch im Salzbergwerk oberhalb von Hallstatt. Eine Bemerkung des Guides machte mich da bereits stutzig, dass er froh sei, nicht mehr in Hallstatt zu wohnen. So klang es zumindest. Wir fuhren mit der Bergbahn runter, aber viel sahen wir nicht. Nebel hatte Hallstatt fest im Griff. Unten angekommen liegen wir in Richtung Ortskern. Immer mehr Asiaten kamen uns entgegen. Wir sahen Reisebusse und ein Dirndl mit einem Schild “Dirndl to go”.

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Hallstatt – Ich musste lange warten, bis mal wenige Besucher auf dem Bild waren….

Die Masse an Asiaten nahm schnell zu und noch bevor wir den Ortskern erreicht hatten war klar, die hatten Hallstatt fest im Griff. Mit Schloss Neuschwanstein und anderen Reisezielen, ist Hallstatt ein beliebter Ort fĂŒr die Busunternehmer, seit China den Ort kopiert hat. Irgendwie klein Shanghai im österreichischem Gewand. Die Stimmung ist auf den Strassen sehr freundlich, mit dieser typischen asiatischen Hektik. Dabei war es ein ganz normaler Wochentag und schlechtes Wetter mit Regen. Ich möchte nicht wissen, was an schönen Wochenenden dort los ist. Im Kurier stand dann auch, dass bis zu 80 Busse pro Tag die Touristen ran karren. Ein Bus hat etwa 55-59 SitzplĂ€tze, also reden wir da von 4.000 Besuchern an Spitzentagen per Bus. Dazu kommen noch die Biker, Bahntouristen und TagesausflĂŒgler mit dem Auto. Dabei hat Hallstatt nur etwa 750 Einwohner und eine Dorfstrasse mit einigen Gassen am Marktplatz…

Ich mach dann mal ein Foto…

Ich muss immer lange warten, bis ich mal ein Foto machen kann, ohne dass es wie ein Ameisenhaufen wirkt. Obwohl alles freundlich ist, nervt diese Hektik gewaltig. Bilder machen, eher unmöglich. Zumindest um die Mittagszeit rum. Derweil sind die Asiaten fleißig am knipsen. Überall klicken die Auslösen von Kameras und Smartphones. Nix fĂŒr meinen Reiseblog….

Hallstatt verarscht die GĂ€ste?

Schaut euch die Homepage von Hallstatt an. Da findet man nix was die Hektik auch nur ansatzweise wieder gibt. Jedes Bild drĂŒckt aus: Du allein in der idyllischen Natur oder im Ort. Wenn mir ein idyllischer Ort vermittelt wird und ich komme dorthin, vor allem zum fotografieren, fĂŒhle ich mich verarscht. Ich könnte es auch netter umschreiben, aber ich habe keine Lust. Mittlerweile weiss ich, dass es auch nicht die offizielle Seite ist, sondern die von Einheimischen.

Da war die Bootsfahrt nach Obertraun wirklich entspannend. Fotowetter hatten wir nicht, aber einige Bilder habe ich dann gemacht. Ich hĂ€tte wirklich mal die Massen knipsen sollen…

Was sagt man in Hallstatt dazu?

Ich habe eine Mail geschrieben und ganz explizit auf die vielen Asiaten und die idyllischen Bilder angesprochen. Außerdem, dass ein Bootsman sagte, dass man es als Einheimischer kaum noch in Hallstatt aushĂ€lt und daher viele dem Ort den RĂŒcken kehren.  Dazu natĂŒrlich die Frage ob man dieses vortĂ€uschen von Idylle in Ordnung findet.

Zuerst kam gar nichts. Ich fragte 2 Wochen spĂ€ter nach und dann kam eine Antwort aus dem TourismusbĂŒro Hallstatt. Hier der sinngemĂ€ĂŸe Wortlaut:

Man schweifte vom Thema ab und verweist auf das gemeinschaftliche Marketing unter der Dachmarke Dachstein Salzkammergut. Dazu, dass man neue GĂ€ste begrĂŒĂŸen darf und es einen gemischten Zuwachs gibt. Danach, dass man mit den Einwohnern, Tourismus, Gemeinde usw. an einem Konzept arbeitet und dabei auch die Begrenzung eine Rolle spielt. Ansich toll, aber beantwortet die Frage nicht. Auch nach einer weiteren Mail, wird diese Antwort umgangen. Man empfiehlt mir außerdem die offizielle Seite, aber auch hier nur pure Idylle.

Der Verweis auf die Dachmarke ist als Gast sicherlich kein Trost, wenn man die vorgegaukelte Idylle sucht und in klein Shanghai landet.  Ich bedauere es gerade, dass ich kaum Bilder gemacht habe und nur, wenn doch mal eine freie Schneise war… Ich war aber sicher nicht zum letzten mal dort und nĂ€chstes Mal bei schönem Wetter an einem Weekend und mit Videokamera.

Fazit:

Mit sind gute Reiseblogs weiterhin lieber, als die hĂŒbsch aufbereiteten Marketingseiten. Hier fehlt mir eindeutig die Ehrlichkeit zum Gast hin, auch wenn mir klar ist, dass man im Marketing gerne schönt. Leider geht das bei weitem ĂŒber etwas Beschönigen hinaus.